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Warum
wurde die DGÜD gegründet?
Das Phänomen des Übersetzens
und Dolmetschens ist so alt wie die Geschichte der Menschheit.
In unserer modernen, internationalen Gesellschaft sind kultureller Austausch,
Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Technik ohne die Übersetzer- und
Dolmetschertätigkeit undenkbar. Die Nachfrage nach diesem Beruf steigt
ebenso wie der Leistungsstandard:
Im Rahmen der EU wird derzeit von einer Steigerung von 40 % ausgegangen, der
Umsatz der Übersetzungsbüros in Deutschland wächst seit Jahren
nahezu kontinuierlich um rund 11 % p.a., veränderte gesetzliche Rahmenbedingungen
- wie etwa das Produkthaftungsgesetz - sowie hochtechnisierte Abläufe und
Normen für Projektabwicklung und Qualitätsmanagement setzen insbesondere
bei Fachübersetzungen neue Maßstäbe.
Im Gegensatz zu dieser gesellschaftspolitischen Bedeutung führt die wissenschaftliche Beschäftigung mit dem Übersetzen und Dolmetschen an nur fünf deutschen Universitäten eher ein Schattendasein: Die seit etwa 50 Jahren bestehenden traditionellen Dolmetscherinstitute in Heidelberg, Leipzig, Mainz/Germersheim und Saarbrücken wurden in den siebziger Jahren zwar in die Universitäten integriert, aber erst Mitte der achtziger Jahre wurde das Promotionsrecht eingeführt, und erst seit Anfang der neunziger Jahre gibt es eine venia legendi im Fach Übersetzungswissenschaft.
Es ist daher nicht verwunderlich, daß es in diesem Fach kaum einen wissenschaftlichen Nachwuchs - promovierte und habilitierte ausgebildete Übersetzer und Dolmetscher - gibt. Die daraus resultierende Problematik bei der Besetzung vakanter Lehrstühle in dieser Disziplin und bei der Begutachtung von Forschungsvorhaben liegt auf der Hand und führt zur Fortschreibung der Tendenz, wissenschaftliche Arbeiten auf dem Gebiet "Übersetzen und Dolmetschen" an den Universitäten nur in sehr begrenztem Maße und aus eingeschränkter Perspektive zuzulassen. Die Lücke, die bisher durch das Fehlen einer wissenschaftlichen Gesellschaft in diesem Fach bestanden hat, wurde im Jahre 1996 auf nationaler Ebene durch Gründung der Deutschen Gesellschaft für Übersetzungs- und Dolmetschwissenschaft (DGÜD) in Saarbrücken geschlossen.
aktualisiert 23.09.2007 KS